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Liebe Wählerin, lieber Wähler,
wir kandidieren am 8.Juni 2008 bei
der Tiroler Landtagswahl. Warum soll ich die KommunistInnen wählen,
werden viele fragen, mir bzw. uns geht´s ja gut. Es stimmt,
Österreich ist das siebtreichste Land der Welt, das viertreichste
der EU. Es stimmt, Tirol ist ebenfalls nicht arm, der Tourismus
hat Reichtum gebracht. Das Problem ist aber, nur wenige profitieren
von diesem Reichtum. Eine Tatsache ist, dass die fünf reichsten
Tiroler Familien (Swarovski, Reisch von der Spar, Michael und Fritz
Egger, Michael Schwarzkopf - Plansee-Werke, Eduard Fröschl)
soviel Geld zur Verfügung haben, wie die Hälfte aller
Tiroler Berufstätigen zusammen. Eine andere Tatsache ist, dass
die ökonomische Basis für ein Drittel aller TirolerInnen
eng bemessen ist, und sich viele bereits bei Bekleidung, Heizen,
Essen oder einen jährlichen Urlaub einschränken müssen
oder gar nicht mehr leisten können.
Und eine traurige Tatsache ist, dass 95 000 TirolerInnen (vor allem
Frauen und Kinder), - immerhin 14 Prozent der Gesamtbevölkerung,
- von Armut betroffen sind. Zusammengefasst heißt das: Wir
leben in einer Zweidrittelgesellschaft. Die Löhne sinken real,
die Lebenshaltungskosten steigen überdurchschnittlich. Die
Zahl der Armutsbetroffenen wird auch in Zukunft weiter steigen.
Wenn nicht gegengelenkt wird, steuern wir einem „sozialen
Konkurs“ zu.
„Sozialpläne“ sollten dazu dienen, den Beschäftigen
insolventer Betriebe zu helfen. Unser „Sozialplan für
Tirol“ ist eine politische Alternative zum Kurs der Tiroler
Landesregierung. Es richtet sich nach den Interessen der arbeitenden
Bevölkerung und soll mit solidarischer Umverteilung von REICH
zu ARM einen Ausgleich zum derzeit ungerecht verteilten Reichtum
bringen. Uns ist bewusst, dass ein solches Programm nicht nur ein
verändertes politisches Machtverhältnis durch eine linke
KPÖ/KJÖ-Opposition im Tiroler Landtag bedarf. Ein solches
Programm bedarf überdies einer breiten gesellschaftlichen Bewegung
gegen den neoliberalen Weg von ÖVP und SPÖ, aber auch
den Grünen.
1. Zukunft für die Jugend, denn
Jugend ist die Zukunft!
Jugend ist die Zukunft unseres Landes. Doch wie sieht die Zukunft
unserer Jugend aus? 33.000 Tiroler Kinder und Jugendliche leben
in armutsgefährdeten Haushalten. Zahlreiche Jugendliche sind
ohne Ausbildung. Über 3100 unter 24-jährige waren im Vorjahr
ohne Arbeitsplatz.
Die AMS-Statistik weist zwar eine ausgeglichene Situation zwischen
offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden aus, aber genauer analysiert,
ist zu sehen, dass das Gastgewerbe die Statistik völlig verzerrt.
Auf der anderen Seite wird an Schulen und Universitäten gespart,
bzw. die Privatisierung und die „Werbeabhängigkeit“
vorangetrieben. Schon in der Schule wird durch Leistungsdruck Ellbogenmentalität
gelehrt. Die Besten, die Größten, die Reichsten, die
Elite wird durch Aufnahmebedingungen wie „Bestnotenzeugnisse“,
Aufnahmeprüfung und Studiengebühren herausgefiltert. Der
Rest wird als ausbildungsunfähig oder -unwillig abgestempelt.
Die Folge: eine perspektivlose Jugend.
Perspektivlosigkeit führt zu Hoffnungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit
zu erhöhter Aggressivität oder Ersatzhandlungen, wie bspw.
dem „Komatrinken“. Statt der jugendfeindlichen Politik
entgegen zu wirken, wird den Jugendlichen auch noch der öffentliche
Raum eingeschränkt. Beispiel Hofgarten, wo das Betreten der
Grünflächen unmöglich gemacht wird, oder in Innsbruck
die Maria-Theresienstraße, wo der Jugend die Sitzgelegenheiten
abgebaut wurden. So werden Jugendliche gezwungen, ihre Freizeit
in der konsumpflichtigen Gastronomie zu verbringen.
Die Jugend braucht Zukunft! Wenn Jugend gegenüber gesellschaftlichen
Fortschritt und Veränderungen aufgeschlossen ist, und dafür
auf die Straße geht, darf ihr Engagement nicht von den Herrschenden
als „Jugendsünden“ abgetan oder gar massiv (polizeilich)
beeinträchtigt, sondern Ernst genommen werden.
Die Einbeziehung der Jugend und Kinder in alle gesellschaftlichen
Bewegungen und Initiativen, ist die beste Schule, aus ihnen selbständig
denkende, solidarisch fühlende und verantwortungsvoll handelnde
Menschen zu machen. „Zwangserziehungslager“ lehnen wir
ab.
2. Für eine Bildungsreform mit
Ganztags- und Gesamtschule
Frust gibt es auch in der Schule. Unser Schulsystem zwingt die Eltern,
und die wieder ihre Kinder bereits im Alter von 10 Jahren entscheiden
zu müssen, wie die berufliche Laufbahn aussehen soll. Mit Ende
der Volksschule heißt es Hauptschule (bedeutet meist „manueller“
Beruf mit oder ohne Berufsausbildung), oder wenn genügend Geld
für Nachhilfe da ist und der Drill für ein „gutes
Zeugnis“ groß genug war, das Gymnasium oder höhere
berufsbildende Schule (z.B. HTL oder HAK).
PISA beweist, unser Schulsystem hat versagt. Die unterschiedlichen
Schultypen, gepaart mit zu großen Klasseneinheiten (die versprochenen
25 werden meist nicht eingehalten), kaputten und fehlenden Unterrichtsmitteln,
unnötigen „Lehrmüll“ (veralteter Schulstoff)
und vielen nicht pädagogisch ausgebildeten LehrerInnen bringt
uns jährlich hintere Plätze bei der PISA- Bewertung ein.
Die Regierung musste jetzt zumindest ansatzweise reagieren und heuer
wurden mit der „Neuen Mittelschule“ 64 gesamtschulartige
Schulversuche gestartet. Tirols Landesregierung bleibt stur, keine
Gesamtschule heißt es hier. Dies, obwohl Südtirol (interessanterweise
auch schwarz regiert) mit einem Gesamtschulsystem hervorragend abschneidet.
Wer sich für einen akademischen Lebensweg entscheidet, dem
werden Aufnahmeprüfung (Medizinstudium) und Studiengebühren
aufgebürdet. Wem wundert´s dann noch, dass Studierende
unterer sozialer Schichten unterdurchschnittlich auf den Unis vertreten
sind.
Wir verlangen: Weg mit den Studiengebühren! Wir verlangen
von der öffentlichen Hand ausreichend finanzielle Mittel für
Schule und Universität. Als ersten Schritt zur Gesamtschule
verlangen wir in Tirol einen Schulversuch nach “Südtiroler
Modell“. Außerdem sehen wir dringenden Handlungsbedarf
zur Reduzierung der Klassenzahl, einer Überarbeitung des Lehrstoffes
und einer qualitativ und pädagogisch verbesserten LehrerInnenausbildung.
3. Wer FacharbeiterInnen braucht, muss
Facharbeiterinnen ausbilden
Es gibt zu wenig FacharbeiterInnen, lassen Tirols UnternehmerInnen
in den Medien ständig schreiben.
Ausbilden wollen sie diese aber nicht! Viel lieber sind ihnen ausländische
BilligarbeiterInnen, die sie zu Gunsten ihres Profits kräftig
ausbeuten können. Nicht verwunderlich, dass jedes Jahr zahlreiche
HauptschulabgängerInnen, wenn sie nicht gerade KöchIn
oder KellnerIn werden wollen, keinen Lehrplatz finden und viele
vom AMS in „windige JASG-(Jugend- Ausbildungs-Sicherungsgesetz)-Ausbildungsplätze,
wie beispielsweise bei „ibis acam“, gesteckt werden.
Dort bezieht der Trägerverein Förderung, die Lehrlinge
eine umstrittene Ausbildung und eine Lehrlingsentschädigung
unter dem Tarif.
Wir verlangen ein Recht auf Ausbildung unabhängig von
Herkunft und StaatsbürgerInnenschaft. Dazu ist analog dem Behinderteneinstellungsgesetzes
eine 10-prozentige Ausbildungsverpflichtung für Betriebe notwendig.
Auf 10 Beschäftigte ist zumindest ein/e Auszubildende/r zu
kommen. Sind in einem Betrieb weniger als 10 Menschen beschäftigt
oder wird diese Quote nicht erfüllt, muss das Unternehmen in
einen Ausbildungstopf bezahlen, mit der überbetriebliche Lehrwerkstätten
finanziert werden. Außerdem verlangen wir die nach Lehrjahr
gestaffelte Erhöhung der Lehrlingsentschädiung auf 60,
70, 80, 90 Prozent des Einkommens eineR FacharbeiterIn.
4. Arbeitszeit auf mehr Schultern verteilen
Tirol hat die dritthöchste Arbeitslosenrate aller österreichischen
Bundesländer. JedeR Zweite hat in Tirol keinen Vollarbeitsplatz
mehr. „Hochkonjunktur“ haben nur Teilzeitbeschäftigung,
Saisonarbeitsplätze und Leiharbeit. Die Ursache dafür
sind im verschärften Arbeitsdruck und der rasant gestiegenen
Produktivität der Beschäftigten, der ArbeiterInnen und
Angestellten zu finden. Den UnternehmerInnen ist´s nicht genug,
dass die arbeitende Bevölkerung bei der Arbeitszeit noch flexibler
wird. Überstunden sollen durch 60-Stunden- Woche mit langfristigen
Durchrechnungszeiten billiger werden. Arbeitsplätze werden
so natürlich nicht geschaffen. Und die Produktivität -
damit ihre Gewinne - steigen zusätzlich, wenn Mensch ohne Mehrkosten
nur mehr zur arbeitsintensiven Zeit eingesetzt werden darf.
Das Problem der Arbeitslosigkeit ist in unserem kapitalistischen
System sicherlich nicht lösbar. Alle Formen der Flexibilisierung
(Arbeitszeitverlängerung) - im Gegensatz zu den Behauptungen
der herrschenden Politik - dienen nicht für mehr Arbeitsplätze,
sondern allein zur Profitsteigerung. Zur Milderung des Problems
gibt es nur ein Mittel: die Arbeit auf mehr Schultern verteilen.
Wir verlangen eine 30-Stunden-Woche mit vollem Lohn- und
Gehaltsausgleich. Der Kampf um die Arbeitszeitverkürzung muss
länderübergreifend geführt werden. Gemeinsam für
die 5-Tage-Woche mit 6 Stunden Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich!
5. Für Mindestlohn und soziale
Mindeststandards
In 28 europäischen Ländern gibt es bereits einen Mindestlohn,
in Österreich nicht. Bei den Koalitionsverhandlungen haben
sich Gusenbauer/ Molterer für einen Mindestlohn durchgerungen.
1000 Euro brutto (rd. 815 Euro netto) und eine Grundsicherung von
745 Euro wurden festgelegt. Der Mindestlohn kommt aber nicht sofort,
als Ausrede dient die KV-Hoheit des ÖGB. Spätestens bis
2010 soll es keinen KV mehr unter dem Mindestlohn geben. Nur, was
ist mit jenen Berufstätigen, die einen Job haben, der keinem
KV unterliegt? Die Armutsschwelle in Österreich liegt derzeit
bei 850 Euro. Mindestlohn- und GrundsicherungsbezieherInnen werden
also trotzdem in Armut leben müssen.
Auch eine bedarfsorientierte, vom Arbeitswillen abhängige Grundsicherung,
soll in den nächsten Jahren bundesweit kommen. In Tirol gibt
es seit 2005 ein Tiroler Grundsicherungsgesetz (TSGG).
Großes Manko: Leistungen aus dem TSGG sind regresspflichtig
- das heißt, sie müssen wieder zurückgezahlt werden,
und das nicht nur von den Betroffenen, sondern auch von deren Angehörigen
ersten Grades (Kinder, PartnerIn, Eltern). Gleiches ist übrigens
auch für die bundesweite Grundsicherung gedacht.
Unter die Tiroler Grundsicherung fällt auch der finanzielle
Hilfsbedarf bei stationärer Pflege. Für die Bezahlung
des Pflegeheims geht Wohnung, Haus, Sparbuch drauf. Zusätzlich
wird auf das Einkommen der Kinder zurückgegriffen.
Grundsicherung ist für uns ein sozialer Mindeststandard, unter
dem KeineR leben darf und kann daher kein „Kreditmodell mit
Zwangsbürgschaft“ sein. Daher auch das Tiroler
Volksbegehren „fairSORGEN“, das die Streichung der Regresspflicht
im TSGG verlangt.
Wir sind für einen Mindestlohn! 10 Euro brutto –
steuerfrei - bei 40 Wochenstunden sind nicht übertrieben! Die
sozialen Mindeststandards bei Grundsicherung, Karenz, Arbeitslosigkeit
etc. sollten zumindest 80 Prozent dieser Summe ausmachen.
6. Gemeinsam aktiv für die Befreiung
der Frau
Frau sein ist nicht leicht, in Tirol noch schwerer. Außer
beim großen „I“ sind Frauen von Gleichberechtigung
noch weit entfernt! „Kraftvolle Schwerarbeit“ wird weitaus
höher bewertet als „dienstleisterische Gefühlsarbeit“.
Dazu kommt, dass von Teilen der Bevölkerung berufstätige
Frauen nur als „Dazuverdienerinnen“ gesehen werden und
von der Wirtschaft massivst in Teilzeit- bzw. prekäre Arbeitsverhältnisse
gedrängt werden. Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern
verbreitert sich, und Frau muss sich mit fehlenden Kinderkrippen,
teuren Kindergärten, Zwei- und Dreifachbelastung durch Beruf
und Familie herum quälen.
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist überfällig,
genauso die Aufgabenteilung bei reproduzierender Arbeit (Haushalt,
Kind,..). Wir verlangen in Stadt und Land ausreichend kostenlose,
pädagogisch sinnvolle Kindererziehungsplätze. Großbetriebe
(bspw. Plansee oder Swarovski), aber auch Einkaufstempel (bspw.
DEZ oder Cyta), in denen hunderte Frauen beschäftigt sind,
müssen vom Land Tirol zu Betriebskindergärten verpflichtet
werden,- oder es sind sämtliche Förderungen einzustellen!
Wird eine Frau ungewollt schwanger und entscheidet sich, das Kind
nicht zu behalten, dann steht ihr ein weiterer Leidensweg bevor:
Obwohl in Österreich schon vor Jahrzehnten Abtreibung bis zur
16. Schwangerschaftswoche straffrei gestellt wurde, ist der Zugang
dazu innerhalb Tirols schier unmöglich.
Selbst öffentliche Kliniken verweigern den Frauen ihr Recht.
Der Weg nach Salzburg, Wien oder gar in die Niederlande muss auf
eigene Kosten auf sich genommen werden. Dazu kommt die gesellschaftliche
Ächtung von Kirche, Umwelt und militanter AbtreibungsgegnerInnen.
Wir verlangen, dass das Recht auf Abtreibung auch wirklich
anerkannt wird, das heißt, dass der Zugang zur „Pille
danach“ freigeben werden muss, genügend Informationsstellen,
Ambulatorien und Krankenhäuser, die einen Schwangerschaftsabbruch
durchführen, vorhanden sind. Außerdem fordern wir eine
Kostenübernahme durch die Krankenkasse genauso wie Verhütungsmittel
auf Krankenschein, damit bereits im Vorhinein jede Frau die gleiche
Möglichkeit zur Selbstbestimmung hat.
7. Wohnen können, ohne Arm zu
werden
Leistbares, zeitgemäßes und gesichertes Wohnen ist ein
Menschenrecht. Seit Jahren treiben in Tirol die weit über den
österreichischen durchschnittlichen Mieten und die weit über
Inflationsrate steigenden Wohnkosten immer mehr Menschen in die
Armutsfalle.
Immer wieder wird von den herrschenden Parteien hingewiesen, dass
auf Grund der geographischen Lage Tirols Bauflächen für
Wohnungsbau nur begrenzt sind. Das ist nur die halbe Wahrheit. Zahlreiche
Grundstücke werden auch in Tirol zum Spekulieren dem Wohnbaumarkt
vorenthalten, außerdem haben in unserem Bundesland viele Agrargemeinschaften
Bodenbestände (natürlich nicht alles als Bauland möglich)
den Gemeinden einfach kalt enteignet.
Die größte Hürde beim Eintritt in den Wohnungsmarkt
ist, dass es viel zu wenige Gemeindewohnungen gibt und daher die
Wartelisten auf eine Wohnung lang sind. Wer rasch eine Wohnung braucht,
ist im privaten Wohnsektor mit enormen Einstiegskosten (Provisionen,
Kautionen, Umzugskosten etc.) und überhöhten Mietpreisen
oder Mietkauf konfrontiert.
Wir verlangen, dass die Agrargemeinschaften den Tiroler
Gemeinden wieder die vorenthaltenen Gründe zurückzugeben
müssen und dass Spekulationsobjekte spätestens nach 10
„ungenützten“ Jahren mit einer kräftigen Spekulationsabgabe
belegt werden. Leistbares Wohnen braucht in erster Linie Sozialen
Wohnbau.
Ebenso müssen die Einstiegskosten bei Wohnungssuche radikal
gekürzt werden. Die Betriebskosten sollen auf die Kosten reduziert
werden, die tatsächlich mit der Vermietung zu tun haben und
die Mietzinsbeihilfe ist so zu gestalten, dass die Wohnkosten maximal
ein Drittel des Haushaltseinkommens ausmacht.
Außerdem treten wir für die Förderung anderer Wohnformen
ein, etwa wenn Jung und Alt bei gegenseitiger Hilfeleistung unter
einem Dach leben.
8. Mobil sein, und trotzdem weniger
Verkehr auf der Straße
Immer mehr Mobilität und Flexibilität sind Wesensmerkmale
des Neoliberalismus. Schrankenlos hat sich in Tirol seit dem EU-Beitritt
der Transit - vor allem auf der Straße - potenziert. Für
die kostengünstige Straßenverbindung über den Brenner
werden hunderte Kilometer an Umwegen in Kauf genommen. Auch von
den Menschen, im Besonderen von den Berufstätigen, wird immer
mehr Mobilität und Flexibilität verlangt. Die Umweltbelastung
der Luft hat so durch Feinstaub, CO2-Partikel usw. in letzten Jahren
massiv verschlechtert, die Erkrankungen des Atemwegsorgane, hier
wieder vor allem bei Kindern, nimmt ständig zu.
Auch den Arbeitssuchenden werden immer längere Anfahrtswege
zugemutet. Der Ausbau des Netzes an öffentlichem Verkehr hinkt
hinter dieser Entwicklung nicht nur nach, sondern wird meist wirtschaftlich
begründet, oftmals verschlechtert. In immer größeren
Ausmaß sind Berufstätige (im Besonderen jene, die mittels
freier Werkverträge arbeiten müssen) auch zur Ausübung
ihres Jobs auf einen PKW angewiesen. Im Moment wird uns der Brenner-Basis-Tunnel
als das Nonplusultra für die Lösung des Transitproblems
weis gemacht. Der BBT ist im besten Fall in 20 Jahren fertig. Und
was ist bis dahin?
Wir treten für eine deutliche Verlagerung des Güterverkehrs
von der Straße auf die Schiene ein, der BBT ist für uns
aber das geeignete Mittel. Wir verlangen gesetzliche Straßentransitverbote
für bestimmte Güter. Der Transit zwischen Deutschland
und Italien kann auf der Schiene leicht - ohne Umwege- zwischen
der bestehenden Brennerstrecke, der Schweizer Bahnstrecke durch
den St. Gotthardtunnel und einer neue Bahnstrecke über den
Reschenpass aufgeteilt werden.
Im täglichen Berufsverkehr verlangen wir eine Ausweitung der
öffentlichen Verkehrsmittel verbunden mit einer sofortigen
drastischen Reduzierung der Tarife mit dem Ziel eines Nulltarifs
für Berufs- und SchulpendlerInnen.
Zur Finanzierung des Nulltarifs denken wir an eine Nahverkehrsabgabe
der Unternehmen zur Finanzierung des öffentlichen Berufsverkehrs.
Das heißt: Attraktive und preisgünstige öffentliche
Verkehrsmittel müssen Vorrang vor dem Ausbau verkehrsintensiver
und umweltgefährdender Hochleistungsstraßen haben.
9. Massensteuer senken, Gewinn- und
Vermögenssteuer erhöhen
Täglich wird umverteilt, aber nicht von Reich zu Arm, sondern
umgekehrt,- von Arm zu Reich! Die öffentlichen Kassen sind
deshalb zunehmend leer, weil Konzerne und MillionärInnen immer
weniger Steuern zahlen und gleichzeitig mit dem Argument des Standortwettbewerbs
immer tiefer in die öffentlichen Subventionstöpfe greifen.
So zahlen sie nicht nur immer weniger Steuern, sondern bereichern
sich noch zusätzlich an den von den Erwerbstätigen eingezahlten
Steuern. Nicht zu vergessen die illegale Finanzmanipulationen, wie
der Steuerskandal in Deutschland zeigt.
Wir wollen die progressive Besteuerung von Vermögen,
Gewinnen und Zinserträgen. Die Steuerschlupflöcher für
Kapital und Vermögen können geschlossen werden.
Wir treten für die Aufhebung der steuerschonenden Privatstiftungen
ein.
Wir fordern die Anhebung
der Körperschaftssteuer, eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes,
die Wiedereinführung der Vermögens- und statt der Abschaffung
eine Anhebung der Erbschaftssteuer bei entsprechenden Freigrenzen.
Wir fordern die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Mieten, Betriebskosten,
kommunale Gebühren und Medikamente und sonstige von der Krankenversicherung
nicht übernommene, von Ärzten verordnete Gesundheitsleistungen.
Wir fordern, dass sich das Land Tirol, die Tiroler Arbeiterkammer
und der Tiroler ÖGB für eine sofortige soziale Lohnsteuerreform,
die kleine und mittlere Einkommen entlastet, einsetzen.
10. Jede Stimme muss gleich viel wert
sein
Erstmals dürfen auch in Tirol alle 16- und 17jährigen
wählen. Gewählt WERDEN können sie allerdings nicht.
Und das neue Tiroler Landtagswahlrecht birgt noch einige Demokratiedefizite:
Tausende ausländische KollegInnen leben seit Jahren in Tirol,
arbeiten hier, bezahlen hier ihre Sozialabgaben und ihre Steuern
und „fördern“ mit ihren Einkäufen Tirols Wirtschaft.
Einzig, mitbestimmen, das dürfen sie nicht - sie sind von den
Landtagswahlen ausgeschlossen.
Wer kandidieren will, braucht Unterstützungsunterschriften,
knapp 100 in jedem Bezirk. Außer den Landtagsparteien; bei
denen sind Unterschriften dreier Abgeordneter genau soviel wert
wie knapp 900 Unterschriften „normalsterblicher“ TirolerInnen.
Mit der neuen Briefwahl muss WählerIn nicht unbedingt zur Wahlurne
wandern. Auch über das Wählen via Internet wird nachgedacht
– nur die Unterstützungsunterschriften müssen weiterhin
persönlich bei der Gemeinde abgegeben werden.
Tirol hat 9 Wahlkreise (Bezirke). Im ersten Wahlverfahren werden
in jedem Bezirk maximal .. Direktmandate vergeben, das heißt
ein Mandat kostet mindestens ... Prozent der Stimmen. Im 2. Wahlverfahren
werden von den Reststimmen die Restmandate ermittelt - ein Landtagmandat
kostet daher unterschiedlich viel an WählerInnenstimmen –
eine „sanfte Form“ eines Mehrheitswahlrechts. Verschärft
wird diese Situation noch, dass nur WahlwerberInnen mit mehr als
vier Prozent oder mindestens einem Grundmandat zum 2. Wahlverfahren
zugelassen werden.
Den „Großen“ ist´s nicht genug. Immer wieder
wird von der ÖVP ein neues Mehrheitswahlrecht verlangt, auch
die SPÖ ist dazu gesprächsbereit.
Mit der Einführung eines Mehrheitswahlrechtes bleiben
in jedem Fall die WählerInnen als Souverän und damit der
Artikel 1 der Bundesverfassung auf der Strecke. Wir verlangen: JedeR
über 16 jährige und in Tirol wohnhafte, muss sich bei
der LT-Wahl beteiligen und sich auch der Wahl stellen können.
Unterstützungsunterschriften sind dafür nicht notwendig,
denn die WählerInnen entscheiden souverän am Wahltag.
Und jede Stimme muss gleich viel wert sein!
11. Kultur und Sport sind keine Konsumgüter
Unser Kulturverständnis geht von einem linken Welt- und Menschenbild
aus: Der Mensch ist autonom und hat keine „übergeordnete
Instanz“. Unter linke Kulturpolitik verstehen wir Gemeinsamkeit,
die von humaner Kultur, nicht von Kommerz und Käuflichkeit,
bestimmt wird.
Dazu verlangen wir vom Land Tirol Räume und Strukturen,
in denen die Menschen und Kulturschaffenden selbstbestimmt und organisiert
aktiv werden können, ohne (parteipolitische oder religiöse)
Abhängigkeiten und die Förderung des kreativen Wirkens
durch mehr Möglichkeiten der öffentlichen Präsentation,
des Austausches und der Umsetzung von Ideen.
Sport ist für uns mehr als nur der kommerzialisierte Hochleistungssport
oder sportliche Betätigung innerhalb eines Vereines. Dazu gehört
auch der Breitensport zur Förderung des Miteinanders, der Freundschaftsverständigung,
der Gesundheit, des Selbstausdruckes und des Spaßes.
Dafür fordern wir die Sportförderung des Landes
gänzlich umzustellen. Nicht die Organe und Vereine des Hochleistungssport
(wie in Tirol bspw. der ÖSV), sondern Breitensport und dessen
Bedarf an Infrastruktur ist zu fördern. Jedem muss es möglich
sein – auch wenn er nicht in einem Sportverein organisiert
ist – kostenlosen Zugang zu Sportplätzen, Sporthallen,
Eishallen etc. zu haben.
Schlussbemerkungen
1. Wie bereits eingangs erwähnt, bedarf die Umsetzung dieses
„Sozialplanes für Tirol“ geänderter politischer
Verhältnisse. Eine Stimme für die „Jugendpolitische
Liste mit der Kommunistischen Partei (KPÖ)“ wäre
ein erster Schritt dazu!
2. Viele meinen, KPÖ zu wählen, wäre vorstellbar,
allerdings eine „verlorene“ Stimme, da sie ohnehin nicht
in den Landtag kommt. Dazu: Nicht wählen gehen
ist eine verlorene Stimme! Steiermark zeigt, dass KommunistInnen
im Landtag möglich sind, ohne dass gleich die Welt aus den
Fugen gerät, im Gegenteil!
Würden alle, die sich, statt für KJÖ/KPÖ, fürs
„bessere Übel“ entscheiden, diesmal UNS ihre Stimme
geben, wäre die Wahrscheinlichkeit, die Fünf-Prozent-Hürde
zu überschreiten, hoch. Außerdem erhöht jede linke
Stimme den Druck auf die künftige Landesregierung.
3. Wählen ersetzt nicht Selbstverantwortung. Nur wenn sich
Menschen in einer breiten Bewegung ständig für ihre Interessen
eintreten, ist auch Veränderung möglich (letzte Pensionserhöhung
zeigt dies deutlich).
4. Selbst wenn unser 11-Punkte-Programm 100% umgesetzt würde,
ist klar, dass wir uns noch immer im Kapitalismus befinden und Ungerechtigkeiten
und ungleiche Verteilung des Vermögens nur gelindert sind.
Längerfristig kann Kapitalismus nur in der Systemüberwindung
verhindert werden.
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