Diese “Periode der Weltkriege” ging auch nach den beiden Weltkriegen keineswegs zu Ende. Zwischen 1945 und 2000 haben insgesamt 218 Kriege stattgefunden, vorausgesetzt man folgt der Definition, dass, um von einem Krieg zu sprechen, zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte, davon mindestens eine von einer nationalen Regierung, beteiligt sein müssen, auf beiden Seiten eine zentral gelenkte Organisation der Streitkräfte und planmäßige Strategie vorhanden sein muss, sowie eine gewisse Kontinuität der Kampfhandlungen gegeben ist. Dabei ist die Häufigkeit der Kriege steigend. Während in den Jahren der Nachkriegszeit ca. 10 Kriege pro Jahr zu verzeichnen waren, so sind es im Jahr 2000 schon 35 Kriege.
Eine weitere Entwicklungslinie besteht darin, dass Kriege nach 1945 weniger in den Metropolen stattfinden, sondern vielmehr an der Peripherie. Von den oben genannten 218 Kriegen fanden je 27% in Afrika und Asien statt, im Naher Osten 25%, in Lateinamerika 14% in Europa lediglich 7%. Das heißt jedoch nicht, dass von den Metropolen keine Kriege ausgegangen sind, im Gegenteil. Genau umgekehrt verhält es sich, wenn man nicht die Kriegsschauplätze betrachtet, sondern bilanziert, welche Staaten wie oft Krieg führen: dabei belegen die ersten drei Plätze Großbritannien, die USA und Frankreich. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die ehemals im Warschauer Pakt organisierten Staaten bei dieser Auflistung erst bei den hintersten Plätzen auftauchen. Aus diesen Zahlen geht hervor, dass von den imperialistischen Zentren die meisten Kriege ausgehen, während auf der anderen Seite die Bevölkerungen der Entwicklungsländer am meisten unter der Geißel des Kriegs zu leiden haben. Eine besonders dramatische Tendenz besteht darin, dass bei den Kriegen der letzten Jahrzehnte in steigendem Ausmaß Opfer unter der Zivilbevölkerung zu verzeichnen sind. Die Zahl der zivilen Opfer nimmt sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Zahl der getöteten Soldaten zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Verhältnis von getöteten Soldaten zu zivilen Opfern noch 8 zu 1 betragen. Heute sind laut einer Studie der UNICEF 90 Prozent der Todesopfer Zivilisten.
Auffallend in der Entwicklung nach 1945 ist zudem, dass innerstaatliche Kriege, also Bürgerkriege im Verhältnis zu zwischenstaatlichen Krieg zugenommen haben. Von den oben genannten 218 Kriegen waren 35% innerstaatliche Antiregimekriege, 26% Sezessionskriege, 16% "Mischkriege" (also gleichzeitig zwischenstaatlich und intern) und nur 17% reine zwischenstaatliche Kriege. 6% fallen unter keine dieser Kategorien. Der zentrale Grund für dieses Anwachsen von Bürgerkriegen ist in erster Linie im politischen und militärischen Eingreifen und mehr oder weniger offenen Interventionen von Drittstaaten, in den meisten Fällen von Seiten der imperialistischen Zentren, zurückzuführen, die wirtschaftliche, politische und territoriale Interessen an diesen Kriegen selbst, sowie an einem bestimmten Kriegsausgang haben.
|
|